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Malteser Diözese Berlin

„Auf Dich habe ich gewartet!“ Jeanne Heuer begleitet Menschen mit Demenz

05.11.2018
Jeanne Heuer, Demenzbegleiterin bei den Maltesern in Berlin.

Ob Schriftstellerin, Professor, Ingenieur oder Hausfrau – die Krankheit kann jeden von uns treffen, weiß Jeanne Heuer nur zu gut. Die 71 Jahre alte Berlinerin arbeitet seit fünf Jahren ehrenamtlich als Demenzbegleiterin für die Malteser in Berlin – und übernimmt damit eine wichtige Aufgabe: Sie begleitet Menschen mit Demenz, die allein zu Hause leben, für ein paar Stunden – auch um ihre Angehörigen zu entlasten.
 

Spaziergang im Zoo

Jeden Dienstag kommt sie in eine Tagesbetreuungsgruppe der Malteser, frühstückt mit den Patienten, isst mit ihnen zu Mittag, spielt Ball und liest ihnen Geschichten vor. Jeden Donnerstag besucht sie zudem einen demenziell veränderten Mann, der allein in seiner Wohnung lebt und leistet ihm Gesellschaft. Sie frühstücken, lesen Zeitung und gehen dann gemeinsam vor die Tür. „Wir spazieren im Tiergarten oder gehen auf das Dach vom Bikini-Haus, denn er liebt den Ausblick in den Zoo.“ Pflanzen und Tiere würden dem früheren Professor für Chemie sehr am Herzen liegen. Auch wenn die Männer und Frauen, die sie begleitet, vergesslich sind, glaubt Jeanne Heuer, dass sie eine Menge von ihnen lernen kann. So erkenne der frühere Professor auf Spaziergängen sämtliche Pflanzen. „Es gibt viele schöne Momente. Er lacht viel, erzählt mir von den beiden Schwestern und der Tochter und seinen vielen Auslandsreisen“, sagt sie.

Was Menschen mit Demenz guttut

In Schulungen der Malteser hat Jeanne Heuer gelernt, was Menschen mit Demenz guttut und was nicht. Während der eine aufblüht, wenn er „sachte“ am Arm gestreichelt wird, könne der andere verwirrt oder mitunter aggressiv werden, wenn er berührt wird. Doch das schreckt sie nicht ab, hat sie doch immer den Eindruck, dass ihr Besuch „ihren Klienten“, wie sie sie nennt, guttut. „Der Professor vergisst meinen Namen, aber erkennt mich an meiner Stimme und meiner Kleidung“, erklärt sie. Ohne den ehrenamtlichen Besuchsdienst der Malteser wären viele Menschen mit Demenz einsam.

Warum sich Jeanne Heuer für Menschen mit Demenz engagiert

Warum sich Jeanne Heuer ausgerechnet für demenziell veränderte Menschen einsetzt, hat einen sehr persönlichen Grund. Die Mutter einer Freundin, die sie 40 Jahre kannte, wurde plötzlich sehr vergesslich. Jeanne Heuer musste dabei zusehen, wie die Frau „immer weiter wegging“, sah wie belastet ihre Freundin in der Situation war und half bis zuletzt, wo sie konnte. Obwohl Jeanne Heuer selber Mutter von vier Kindern ist und sechs Enkelkinder hat, stand für sie fest, dass sie fortan auch anderen helfen wollte, die am selben Krankheitsbild litten. Sie rief bei den Maltesern an und fragte, wie sie helfen könne. „Kommen Sie mit, wir stellen Ihnen jemanden vor“, sagte man ihr bei den Maltesern. Jeanne Heuer lernte eine Dame kennen, eine Iranerin, die früher Schriftstellerin war. „Ich war fasziniert von ihrer Art und es fühlte sich an, als würden wir uns schon lange kennen.“ Ähnlich erging es ihr bei dem zweiten „Klienten“, einem ehemaligen Vermessungsingenieur. Auch mit ihm verstand sie sich sofort. Jeanne Heuer machte die nötigen Fortbildungen bei den Maltesern, ließ sich zur Demenzbegleiterin schulen und begleitete bis heute sechs Menschen mit Demenz.

Man bekommt viel zurück

„Sie alle waren sehr unterschiedlich, aber man bekommt von jedem einzelnen eine Menge zurück“, sagt sie. Vor allem die Familien und Angehörigen seien dankbar, durch die Besuche entlastet zu werden. Auch für sie ist Jeanne Heuer da, wenn sie gebraucht wird. So wie an dem einen Abend, als sie einen Anruf von dem Ehemann einer demenziell veränderten Frau bekam. „Meine Frau beruhigt sich nicht“, sagte er verzweifelt. Jeanne Heuer nahm sich sofort ein Taxi, fuhr zu der Familie und klingelte. Als sich die Tür öffnete sagte die Frau: „Auf Dich habe ich gewartet!“ und lächelte.

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