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Malteser Diözese Berlin

Schaffen wir das? „Wir haben es doch geschafft!“

Abschied von den Berliner Notunterkünften der Malteser: Eine ehemalige Mitarbeiterin – selbst aus Südamerika stammend - gibt ein bewegendes Zeugnis auf Facebook.

22.02.2018
Fotos: privat, Facebook

"Es war in den ersten Oktober Tagen 2015. Die Halle 26 öffnete sich damals, um prekäre Unterkunft für über Tausend Menschen zu geben. Ich kam an diesem Nachmittag mit einem Paar Klebestifte, Buntpapier und Scheren unter dem Arm. Am Eingang, die Securitys fragten, „Sie kommen zur Malteser?“, und ich bekam einen „Volunteer“ Ausweis mit dem Rotem Wappen. Man führte mich zum „Kinderzimmer“, eine leere, rissige Fläche, mit vielfarbigem Teppich. Außer zwei Bierbänke, gab es sonst nichts. Die Kinder liefen herum, zwischen Resten von gemalten Papieren und Kreiden. Dann saßen wir auf dem Boden und bastelten wir. Wir verstanden uns nur mit Mimik, kein einziges Wort. Sie waren aber neugierig, und wollten Deutsch lernen. Dann schrieb ich die Farben und Nummern auf Deutsch, und sie schrieben sie auf Arabisch und Farsi. Wir sagten uns unseren Namen, und einer aus Afghanistan schrieb meinen, auf einen kleinen Zettel. Ein Herz, zeichnete er auch drauf.  Ich versprach dann wieder zu kommen, und dann kam ich auch, am nächsten Tag, und am nächsten, und nächsten, und nächsten. Messe Halle, ICC, Karl Marx Straße. Über zwei Jahren, drei Unterkünfte, das selbe Rote Wappen, und das selbe Herz.

Ich danke diesem Kind, und den Hunderten, die in dieser Zeit mir so viel Liebe und Freude gegeben haben, die man nicht ermessen kann. Die mir willkommen hießen, wie keiner davor. Die mir als ihres eigenes aufnahmen. Ich danke ihnen, weil sie trotz aller Grausamkeit der Welt die sie durchschritten, ein reines Herz bewahrten, und mir es schenkten. Ich danke ihnen, weil sie von meiner Welt, ein Ort wo man leben kann machten, und aus meinem Leben, ein Leben, dass es verdient, gelebt zu werden.

Ich sah Tränen in den Augen aller unseren Familien, als sie sich von Malteser verabschieden mussten. Heute bin ich dran. Ich lege das rote Wappen ab, drehe mich um, werfe ein letzter Blick auf die leeren Räumen, und verabschiede mich.

Danke an alle, Leitung, Kollegen, Ehrenamtlichen, die mit ungeheure Großherzigkeit und Hingabe, dieses Wunder der Menschlichkeit ermöglicht haben.

Wir haben es doch geschafft."

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